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Polizei Haltern : „Es gibt keine rechtsextreme Szene in Haltern“

3.3.2009

Die Halterner Zeitung zitiert in ihrer Online-Ausgabe vom 02.03. den Halterner Polizei-Pressesprecher sowie diverse Stimmen aus dem Jugendbereich der öffentlichen Stellen.

Daraus geht hervor, dass die Polizei davon ausgeht, dass die 15 Neonazis nur eine „gemeinsame Party“ feierten und sich längst auf dem Nachhause-Weg befanden, als sie dann einen 19jährigen angriffen. Interessant ist, was sich die Polizei unter einer solchen „Party“ genau vorstellt, bei der der „Rückweg in die Heimatstädte“ von 1:45, erster Polizeinotruf, bis gegen 4 Uhr morgens, Überfall auf 3 Jugendliche nahe der Discothek Old Daddy, dauert. Auch interessiert uns ein Rückweg von einer Party, der zuerst zum Bahnhof führt, dann hoch ins Saargebiet, 10 Minuten Fußweg, wo eine Privat-Feier angegriffen wird, dann wieder, nach ersten Festnahmen, verteilt in die Stadt, um sich gegen 4 Uhr, also über 2 Stunden später, auf der anderen Seite des Bahnhofs zu versammeln und erneut zuzuschlagen, ehe sich der von außen nach Haltern mobilisierte Teil in einen Zug setzt und teilweise unerkannt entkommt, weil ein Polizeiwagen am Bahnhof nicht den Mut hatte, zu halten und die restlichen Personalien zu kontrollieren. Die Nazis müssen schlimme Wegfindungs-Störungen haben.

Im selben Atemzug wird von Polizei-Seite verleugnet, dass es in Haltern eine rechtsextreme Szene gäbe. In der Zeitung Der Westen wird sogar von ziemlich genau 5 Personen gesprochen. Gleichzeitig geben irgendwelche Jugendbeauftragten des örtlichen Jugendzentrums und Bereichsleiter der Abteilung „Familie und Jugend“ zu Protokoll, dass sie keine rechtsextreme Szene beobachten könnten. Dafür müssen beim Westen eine Rentnerin, zwei ca. 20jährige, denen man ansieht, dass sie weder genau wissen, was Nationalsozialisten sind, noch, dass sie ein Interesse hätten, es je herauszufinden, und drei 13jährige Mädchen als Beweis herhalten, dass sie keine Neonazis beobachten können. Dabei geben sie auch gleich unbewusst den Grund mit ab, wieso sie das nicht tun können, weil für sie „Typen in schwarz und mit Stiefeln“ Neonazis sind. Wer so keine Neonaziszene sehen kann, ist schlicht selber Schuld. Mit 13 Jahren keine aktive Neonaziszene beobachten zu können ist natürlich ein ziemlich gutes Indiz dafür, dass es diese Neonazis garnicht gibt. Zumindest „nicht bei uns“. Auch wenn die Rentnerin auf die Frage nach Neonazis von lärmenden und alkoholisierten Jugendlichen am Bahnhof berichten kann. Was das mit organisierten und gewaltbereiten Nazis zu tun hat, bleibt offen. Und so schieben alle öffentliche Stellen das Problem nach außen ab; die Neonazis kämen von außerhalb, es gäbe nur eine „gute Vernetzung“. Als Kronzeuge dürfen zu guter letzt immer wieder Leute wie Michael Weiand auftreten, die in ihrem Bewältigungs-Wahn längst völlig abgedriftet sind, die aus Alexander Lebenstein einen nützlichen Idioten und Hilfsjuden machen, der von Veranstaltung zu Veranstaltung pendeln darf und dessen Namen man in jedem Artikel über Rechtsextremismus zu nennen hat, um zu belegen, wie „geläutert“ Haltern sei, wie sehr es dazugelernt habe ; die in ihren Reden gerne mal einen Seitenhieb in Richtung Neonazis machen, indem sie diese in astreinem NS-Vokabular als „unsoziale, feige Elemente“ bezeichnen – und alles klatscht.
Darüber hinaus, dass nahezu jede Stadt genau so reagiert (z.B. auch Dortmund, wo es empirisch nachweisbar die aktivste und gewaltbereiteste rechtsextreme Szene in ganz Westdeutschland gibt, mit mehreren Todesopfern in den letzten Jahren), ist sicher interessant, was diese öffentlichen Stellen als schlimmer empfinden : Sind es, wie noch vor 4 Jahren, regelmäßig 10 betrunkene Gabber-Glatzen, die einen beim Nachmittags-Einkauf im mittlerweile geschlossenen Edeka-Laden in der Innenstadt gestört haben, die als „rechtsextreme Szene“, und damit als gefährlich gelten ?
Der letzte Verfassungsschutzbericht spricht von bundesweit 400 „Autonomen Nationalisten“, einem Phänomen in der extremen Rechten, das bei ultra-brutalen Ausschreitungen wie z.B. am 1. Mai 08′ in Hamburg für Medien-Aufsehen sorgte. Wenn alleine 5 von diesen 400 „Autonomen Nationalisten“ aus Haltern am See kommen (nicht umsonst nennt sich die Halterner Nazi-Organisation „Autonome Nationalisten Haltern“), ist das nicht erschreckend ? Wenn diese 5 in der Lage sind, regelmäßig 15 bis 20 dieser ultra-gewaltbereiten Neonazis nach Haltern, zu von der Polizei als „Partys“ verharmlosten Treffen, zu mobilisieren, ist dies nicht um einiges gefährlicher und aufsehenerregender, als Halterns rechte Szene von vor 4 Jahren, die nichts weiter hinbekam, als sich im Suff vor besagtem Edeka mit ein paar Punkern anzulegen ? Woran stört sich die Halterner Öffentlichkeit mehr, an Nazis, die sie sehen kann, oder an Nazis, die sie nicht sehen kann ?

Nichteinmal die Zahl von 5 stimmt. Der politisch und gewalttätig aktive Kern ist größer, dazu kommt ein völlig uneinschätzbares Sympathisantenfeld, mit Halbstarken, die sich vor Rudolf Hess-Porträts ablichten lassen oder in Internetportalen wie „SchülerVZ“ dazu aufrufen, die „Antifa [zu] zerschlagen“. Die Polizei hat in ihrer Kartei „Gewalttäter Rechts“ selber mehr als 5 Personen erkennungsdienstlich aufgenommen.

Uns drängt sich der Verdacht auf, dass dem Anliegen einer Kleinstadt, ihren Idylle-Charakter zu bewahren, ihrer Unfähigkeit, sich ein solches Problem einzugestehen, von öffentlicher Stelle nun sogar der Versuch zur Hilfe eilt, das Problem einfach wegzulügen. Es gibt riesige Ungereimtheiten in der Darstellung der Polizei, in ihrem Pressebericht fällt nichteinmal die Info, dass es sich bei den Tätern um rechte/rechtsextreme handelt.

Diese Stadt leugnet ihr Naziproblem ! Diese Polizei ist unwillens und unfähig, gegen die Neonazis vorzugehen ! Die Leugnung der rechten Szene in Haltern ist ein Hohn, ein Schlag ins Gesicht für die vielen vielen Menschen, die im letzten Jahr Opfer von Gewalt und Drohungen der Nazis geworden sind, die an diesem Wochenende ins Krankenhaus geschlagen wurden, die auf einer Privatfeier mit Tränengas angegriffen wurden ! Hört auf euch selbst anzulügen ! Hört auf zu „denken“ und zu „glauben“ – fangt an zu begreifen !

Wenn sich die Polizei, die Justiz und die Öffentlichkeit nicht endlich das Problem eingestehen und handeln, wird es in Zukunft noch mehr knallen !

Wir protestieren aufs Schärfste gegen den Umgang von Polizei, Justiz und Öffentlichkeit mit der neuerlichen Eskalation der Nazi-Gewalt !

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4 Kommentare

  1. Eine solche Stimmung in der Stadt ist die Grundvoraussetzung, auf der Nazis so agieren. Sie brauchen ja tatsächlich kaum Angst haben, verfolgt zu werden, das hat die Vergangenheit ja immer wieder gezeigt. Deshalb fliehen sie auch nach ihrem ersten Übergriff nicht, sondern machen einfach weiter. 5 mal in einer Nacht.


  2. Warum den Text nicht hier als Leserbrief an die Zeitung?


  3. Der erste Kommentar der mir gefällt, und die Dinge so beschreibt wie sie sind. Auch wenn ich selber weder mit euch noch den Autonomen zu tun habe geht mir diese Schönrederei und Leugnung gegen den Strich. Es ist ja wohl Stadtbekannt das wir mehrere Personen haben die extrem rechts und extrem gewaltbereit sind. Von dem Übergriff am Samstag kannte ich denjenigen der eigentlich verprügelt werden sollte (der Farbige). Das die Nazis nebenbei noch einen deutschen mit einem Stein verletzt haben, zeigt mir nur wie dämlich diejenigen sind. Anscheinend sind der Staat und Politik nicht in der Lage der Situation herr zu werden oder wollen dies auch gar nicht.
    Wenn das nicht in naher Zukunft passiert, müssen andere sich diesem Problem annehmen.
    P.S: ich wäre auch dafür den oberen Text als Leserbrief zu senden.
    mfg


  4. Hallo Liebe Halterner Antifas.
    In schönreden und Tatsachen verdrehen war das System ja schon immer ganz groß. Gute Idee, den Artikel als Leserbrief raus zu senden.
    Wenn so viele schweigen müssen wir noch lauter schreien! 😉

    Ich hoffe, ihr gebt damit zu verstehen, dass sich die Linke Szene Halterns sowas nicht gefallen lässt. Für Demos oder ähnliches stehen garantiert Antifa-Gruppen der näheren Umgebung hinter euch!



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