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Aufruf groß

4.3.2009

Aufruf zur Demonstration in Haltern am See

kurze Version

In der Nacht auf Samstag, den 28.02 ist es zu einer
neuen Eskalationsstufe der neonazistischen Gewalt in Haltern am See gekommen.
Nachdem eine größere Gruppe Halterner und auswärtiger Neonazis erst einen Jugendlichen in der nähe des Halterner Bahnhofs angriffen und dieser in das örtliche Krankenhaus eingeliefert werden musste, attackierten sie kurz darauf eine junge Frau. Wenig später griffen mehrere Neonazis eine Geburtstagsparty im elterlichen Wohnhaus an, indem sie Reizgas durch einen Fensterspalt in den Partyraum leiteten. Auf dem Weg dorthin trafen sie auf zwei 20-jährige und attackierten diese überfallartig mit Schlagstöcken, sodass sie Hämatome und Verletzungen am ganzen Körper sowie gebrochene Nasen erlitten. Die flüchtenden Partygäste fanden dann vor dem Haus einige Neonazis in Polizeigewahrsam wieder, während andere Täter flüchten konnten. Die Neonazis wurden auf Personalien kontrolliert und wieder freigelassen.
Etwas später griff eine Gruppe von ungefähr 10 Neonazis drei Jugendliche an, die auf dem Heimweg von der Discothek „Old Daddy“ in Haltern waren. Die Nazis attackierten sie mit den Worten :„Ihr seid nicht so deutsch wie wir es wollen!“ und „Links oder Rechts, was anderes gibt es nicht!“, worauf einer der Jugendlichen mit „Weder noch.“ antwortete. Einem aus der Gruppe
drohten sie :„Jetzt stirbst du, du Scheißneger!“. Dann griffen die Neonazis
die Jugendlichen mit Schlagstöcken und Steinen an. Eine Gegenwehr unterbanden sie, indem sie einem der Jugendlichen eine Schusswaffe an den Kopf hielten. Zwei Betroffene konnten fliehen während einer mit Steinen niedergeschlagen und wenig später mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Nach diesen Übergriffen sammelte sich die Gruppe wieder am Bahnhof um dort erneut Menschen zu bedrohen und zur Flucht zu nötigen. Ein vorbeifahrender Polizeiwagen schritt nicht ein und die Nazis entkamen abermals, wahrscheinlich via S-Bahn. Die an diesem Abend insgesamt 5 Verletzten mussten im Krankenhaus behandelt werden und konnten teilweise erst am nächsten Tag das Krankenhaus verlassen.

Die Halterner Nazis sind dafür bekannt, dass sie sich regelmäßig mit Unterstützung Auswärtiger Hetzjagden auf vermeintliche Nazigegner_innen leisten. Seit dem einjährigen Bestehen einer Halterner Naziorganisation kam es so schon mehrfach zu Straftaten wie schweren Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Propagandadelikten, Falschverdächtigung und Falschaussagen, Nötigungen und anderem. Trotzdem gibt es noch immer keine konsequente Verfolgung, weil auch die hiesige Polizei anscheinend auf dem rechten Auge blind ist ! Weil immernoch nicht erkannt wird, dass die neuerlichen Entwicklungen in der bundesweit vernetzten Neonaziszene, die erst vor 2 Wochen ihren größten Aufmarsch seit 1945 mit weit mehr
als 6500 Teilnehmer_innen in Dresden abhielten, auf eine mit der SA vergleichbaren Bürgerkriegsarmee hinzusteuern !

Nachdem sich die Polizei schon beim ersten Notruf grobe Patzer geleistet hat, indem sie schon bei den ersten Verhaftungen offensichtliche Täter entkommen ließ, schaffte sie es innerhalb von 2 Stunden nicht, durch Haltern streifende und noch weiter prügelnde Neonazis ausfindig und unschädlich zu machen. Gleichzeitig war die Entscheidung, die festgehaltenen nach der Personalienfeststellung sofort wieder freizulassen, an diesem Abend fatal, da genau diese Neonazis später erneut zuschlugen, nachdem sie sich mit den Flüchtigen erneut getroffen hatten.
Der eigentliche Skandal passiert am Montag, als die Polizei der Presse gegenüber eine Neonaziszene in Haltern verleugnet, diese zahlenmäßig herunterspielt und die geplante Gewaltnacht, die über 2 Stunden dauerte, als „Heimweg von einer Party“ bezeichnet. Damit reagieren Polizei und Öffentlichkeit, wie es schlimmer in diesem Fall nicht sein könnte : Sie leugnen und lügen das Problem hinfort, weil es nicht in den Idylle-Charakter der Stadt passt, weil man es nicht bloß nicht sehen kann, sondern nicht sehen will. Weil man eingestehen müsste, dass Neonazismus aus der Mitte genau dieser Gesellschaft erwächst, weil man eingestehen müsste, dass städt. Maßnahmen und Gelder oder das Abfeiern der städt. Realschule als „Schule ohne Rassismus“ völlig wirkungslos verpuffen und nur dem Aufpolieren des Labels der Stadt dienen.

Es ist absolut wichtig, sich nicht von den Neonazis einschüchtern zu lassen ! Ihre Gewalttaten sollen bezwecken, dass sich Nazigegner_innen aus Angst vor Angriffen nicht mehr gegen diese äußern oder wehren. Doch wir wehren uns ! Spucken wir ihnen gemeinsam gehörig in die Suppe und zeigen, dass wir uns diese erneute Eskalation der Gewalt nicht bieten lassen ! Es muss
skandalisiert werden was in Haltern passiert, ehe wir mit Verhältnissen wie in Marl zu kämpfen haben, wo organisierte Neonazis regelmäßig Jugendliche nach dem Schema „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ attackieren und teilweise mit Messern und anderen Waffen schwer verletzen ! Die Nacht des 27.02. hat gezeigt, dass nicht nur organisierte Nazigegner_innen von ihrer Gewalt betroffen sind, sondern auch solche, die sich bisher als „unbeteiligt“ eingeschätzt haben ! Dies macht klar, dass es sich bei Nazigewalt eben nicht um ein Phänomen von „rivalisierenden Jugendbanden“ handelt, sondern um geplante und organisierte politische Gewalt, die sich gegen alles richtet, was nicht in das Weltbild der Nazis passt ! Egal, ob man alternativ gekleidet oder in der Antifa organisiert ist, keine weiße Hautfarbe hat oder, wie am Abend der Übergriffe, nur mit Leuten feiern will, die etwas gegen Nazis haben oder sich dagegen engagieren !

Kommt daher am 07. März 2009 um 14:00 Uhr zur Demonstration am Halterner Hauptbahnhof unter dem Motto „Gegen die neuerliche Nazigewalt und den Umgang seitens Polizei, Justiz und Öffentlichkeit“ !

Dieser Aufruf richtet sich vorallem an Jugendliche, die durch diesen Vorfall zum ersten mal mit Nazigewalt in Kontakt kamen, an alle, die sich im angegriffenen Raum befanden und an alle, die sich mit den Betroffenen solidarisch zeigen wollen !

*Wandelt Wut und Trauer zu Widerstand !*
*Solidarität und Genesungswünsche den Betroffenen !*

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