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Nachbereitung der Aktivitäten gegen den Bundeswehrzapfenstreich und die Militarisierung der Gesellschaft

14.10.2009

Nachbereitung der Aktivitäten gegen den Bundeswehrzapfenstreich und die Militarisierung der Gesellschaft

Etwa 60 Teilnehmer_innen folgten am frühen Freitag Abend unserem Aufruf und demonstrierten gegen den Großen Zapfenstreich der Bundeswehr in Haltern am See und die Militarisierung der deutschen Gesellschaft.

Im Vorfeld der Demonstration erregten diverse Attacken gegen Kriegerdenkmäler in Haltern und dem Vorort Hullern, Bochum und Unna das öffentliche Gemüt. Schockiert berichteten die Halterner Medien („Vandalen wüten“, „sinnloser Gewaltakt“) über das, was nicht zu sein hatte in der beschaulichen Kleinstadt. Offenkundig brachte das Vorhaben der Bundeswehr, neben uns, noch einige weitere Nestbeschmutzer_innen auf den Plan.
Mit Flyern wurde im Vorfeld zur Lektüre unserer Kritik und zur Teilnahme an unserer Demonstration aufgefordert, dem erwartungsgemäß wenige Halteraner_innen nachkamen.

Nach einer Sammelphase ging es mit etwas Verspätung um 18 Uhr am Halterner Bahnhof los in Richtung Innenstadt, in der sich zu diesem Zeitpunkt relativ viele Bürger_innen aufhielten. Bei einer Zwischenkundgebung an der Ecke Lippmauer/Lippstraße wurde unsere Kritik an Bundeswehrzapfenstreich und der Militarisierung über ein Megaphon verlesen, ehe sich die Demo durch die Innenstadt schlängelnd bis an das Ende der Rekumer Straße bewegte. Einige male wurde sie dabei von der Polizei kurzzeitig aufgehalten, etwa, weil Demoteilnehmer_innen die mitgeführten Transparente zu hoch hielten. Gegen 19 Uhr wurde die Demo für beendet erklärt, woraufhin sich die Teilnehmer_innen in Richtung des für den Großen Zapfenstreich weiträumig abgesperrten Marktplatzes machten. Dessen Hausrecht war der Bundeswehr kurzerhand von der Stadt übertragen worden, weshalb sich hinter ersten Straßensperren mit Polizei-Besetzung die Spürnasen von Militärpolizei, Feldjägern, Staatsschutz und Militärischem Abschirmdienst befanden.

Der Zapfenstreich selber verlief dementsprechend nicht unter der von uns gewünschten kritischen Begleitung. Die Bundeswehr hatte im Vorraus ein Hausverbot für alle ausgesprochen, die an der Demonstration teilnehmen würden, weshalb eine Meinungsäußerung hier nichteinmal im demokratischen Rahmen möglich war. Nichtsdestotrotz schafften es einige Zapfenstreich-Gegner_innen in den für die Zuschauer_innen abgesperrten Bereich auf den Marktplatz zu gelangen und sich unter das Volk zu mischen, das begierig darauf wartete, die nationalen Sehnsüchte im Zeremoniell des Zapfenstreichs befriedigt zu wissen. Dementsprechend verstört reagierten die Zuschauer_innen, als schon nach der ersten Ansprache ein Zwischenruf über den Platz hallte.
Nachdem gegen Ende der Veranstaltung das Deutschlandlied angestimmt und das Halterner Kleinstadtvolk zufrieden mitträllerte, wurde die eintretende Stille erneut durch Zwischenrufe, “Nie wieder Deutschland !”, gestört. Weil sich einige Protestierende auf dem Abmarschweg der 200 unter Fackeln marschierenden Soldaten postiert hatten, schafften es die Hausherren nicht wirklich, diese ausreichend abzudrängen. So mussten die Soldaten unter durchgehend skandierten Parolen und Zwischenrufen ihren Weg Richtung Lipptor antreten, was diese sichtlich nervös werden lies. “Deutschland ist scheiße – Ihr seid die Beweise !”

Rückblickend finden wir es sehr erfreulich, dass es uns in sehr kurzer Zeit gelungen ist, den Protest gegen die Bundeswehr in Haltern zum Thema zu machen. Wir fänden es sehr begrüßenswert, wenn es wieder vermehrt solche Eingriffe in die Normalität der ganzen widerlichen Implikationen von Staat, Nation und Kapital gäbe. Dass es dafür weniger eines großen Bündnisses als vielmehr einer adäquaten Kritik und eines Besinnens auf die eigenen Stärken braucht, ist unser Fazit aus knapp zwei Wochen Arbeit gegen den “Großen Zapfenstreich” in Haltern am See. Autonome, linksradikale Politik hat nicht im Diskurs zu intervenieren, sondern ihn selbst zu kritisieren.

Quelle : Bündnis „09. Oktober“

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